Homophobie ist heilbar: Keine Bühne für homophobe Ansichten am Katholikentag!


Am letzten Tag des 98. Deutschen Katholikentages initiierte der schwul-lesbische Arbeitskreis der Mannheimer Grünen einen erfolgreichen farbenfrohen Protest gegen die menschenverachtenden Ansichten des Bundes Katholischer Ärzte (BDÄ). Dieser war mit einem offiziellen Stand auf der Kirchenmeile in der Nähe des Wasserturmes vertreten und brachte dort seine irrigen Ansichten unters Volk, Homosexualität sei eine diagnostizierbare Krankheit und mit medizinischen Methoden heilbar.

“Wir erfuhren am Freitag vom Stand des BDÄ und den Ansichten, die dort vertreten werden. Sofort war klar: Gegen diese homophoben Thesen müssen wir gemeinsam aktiv werden”,  erklärt Tobias Heck, Sprecher des Arbeitskreises die spontane Aktion. “Wir waren überrascht und überwältigt von der Resonanz: CSD-Verein, Szenewirte und viele weitere Initiativen und Parteien beteiligten sich spontan am bunten Protest.” Bis zum Samstagabend suchten hunderte Menschen mit Unterstützung vieler Katholikentagsbesucher die Diskussion und widersprachen öffentlich den Ansichten am Stand des BDÄ. Für Sprecher Jürgen Kaufmann zeigt dies eindeutig: “Lesben und Schwule sind nicht entpolitisiert: Wir müssen und werden weiterhin wo nötig für die Rechte von Lesben und Schwulen kämpfen und uns gegen Diskriminierung und Diffamierung wehren.”

Der Arbeitskreis SchwuLes Grün hofft, dass die Organisator/innen des nächsten Katholikentages in Regensburg den medizinisch unhaltbaren Ansichten des Bundes Katholischer Ärzte keine offizielle Bühne mehr geben werden. Wer solche Ansichten öffentlich ohne wissenschaftliche Basis vertritt oder gefährliche Mutmaßungen in medizinischem Gewand in Umlauf bringt, sollte bedenken, dass dies nicht ohne Folgen bleibt: In Deutschland und weltweit sind Lesben und Schwule immer noch von vielem ausgeschlossen, diskriminiert und von Gewalt zumindest bedroht, gerade mit der Begründung, sie seien krank. Das weltoffene und tolerant Mannheim hat dagegen am Samstag gezeigt: Gesellschaftliche Vielfalt ist möglich und Homophobie (Hass auf Lesben und Schwule) ist heilbar.

Zur Pressemitteilung auf der offiziellen Facebook-Seite des Arbeitskreises.

Ergänzung: Wir haben als Arbeitskreis dem Geschäftsführer des Katholikentages folgende Anfrage per Email gesendet:

Lieber Herr Dr. Stauch,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Katholikentages,

zunächst möchten wir Sie zum Abschluss des Katholikentages beglückwünschen, der für Sie sicherlich mit viel Aufwand und in den vergangenen Tagen wahrscheinlich auch mit einiger Hektik und Betriebsamkeit verbunden war.

Wir wenden uns an Sie aufgrund des von uns initiierten Protests am Samstag, den 19. Mai am Stand des Bundes Katholischer Ärzte (BDÄ) am Wasserturm. Wir Grüne haben am Freitag von dem Stand und den dort verbreiteten Ansichten zu Homosexualität erfahren und spontan zu einer über den ganzen Samstag angelegten Aktion an diesem Stand aufgerufen. Den ganzen Tag hinüber waren daher Lesben, Schwule, aber auch viele Katholikentagsbesucher/-innen am dortigen Stand und diskutierten mit den Ärzten kontrovers über deren homophobe Ansichten. In den Gesprächen vor Ort und auch auf den ausliegenden Flugblättern wurde Homosexualität eindeutig als Krankheit bezeichnet, die man mit medizinischen Methoden heilen könne. Am Abend bildete sich ebenfalls spontan ein sog. Sit-In vor dem Stand, worauf die Polizei und eine Person von der Organisation des Katholikentages herbei gerufen wurde. Von mehreren Seiten kam uns im Nachlauf zu Ohren, dass die Vertreterin der Organisationsseite den Protestierenden versprach, dem BDÄ auf den kommenden Katholikentagen keinen offiziellen Stand auf der Kirchenmeile mehr zuzuweisen. Dies sei nach Sichtung der ausliegenden Flugblätter am Stand des BDÄ geschehen.

Wir als schwul-lesbischer Arbeitskreis der Mannheimer Grünen würden uns sehr freuen, wenn Sie diese Information bestätigen könnten. Der Katholikentag sollte keine Bühne für solch antiquierte, menschenrechtsfeindliche und gefährliche Thesen sein! Wir wünschen uns, dass der Katholikentag und das ZdK sich klar von solchen Ansichten distanzieren und zukünftig dem BDÄ keinen Stand auf dem Katholikentag zuweisen.

Anbei zur weiteren Information finden Sie die Pressemitteilung zu unserer Aktion am vergangenen Samstag.

Wir freuen uns auf Ihre Antwort,

mit besten Grüßen

 

Ein Kommentar

  1. Die wissenschaftliche Grundlage für einen Grossteil worauf der BKÄ ja seine Thesen stützt, ist seit kurzem entfallen. Und wer sich Wissenschaftler nennt (und das muss zwangsläufig auch fast jeder Arzt ob mit oder ohne Dr.) macht mal ganz schnell en Rückzieher 😉 http://www.spiegel.de/​wissenschaft/mensch/​robert-spitzer-entschuldigt​-sich-fuer-homosexuellen-s​tudie-a-834247.html Bleibt noch den „Doktoren“ einen schönen Tag zu wünschen und sich in Zukunft vielleicht auf das erforschen von Farbbeschichtungen bei Kerzen für Unterwassergaukler zu konzentrieren. 😉

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