Kein Bambi für Spalter!

Quelle: Burda Media (www.bambi.de)

Bushido soll mit dem Bambi ausgezeichnet werden. Der Preis ist nicht gedacht als Würdigung seiner Musik (über die man wie über alles kunstvolle genüsslich streiten kann), sondern wegen seiner Vorbildfunktion in Sachen Integration. In der Begründung für die Preisverleihung heißt es: „Der in Bonn geborene und in Berlin aufgewachsene Deutsch-Tunesier richtet seinen Appell für ein respektvolles Miteinander an seine Fans ebenso wie an Politik und Öffentlichkeit. Er leistet einen wertvollen Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln. Der Bambi 2011 in der Kategorie Integration geht an Bushido.“

Wertvoller Beitrag zum gegenseitigen Verständnis sozialer Gruppen. Da hatte bei Burda aber noch niemand die Texte von dem Geehrten gelesen: Frauen als „Schlampen“ zu bezeichnen, sie als Nutzobjekte eines überkommenen Männlichkeitsbild zu sehen, „Schwuchteln verkloppen“ – so schwierig und beeindruckend sein weg in den Himmel des Raps gewesen sein mag, ihn für seine Integrationsbemühungen auszuzeichnen ist bei solchen Worten fragwürdig. Folgerichtig schwappt gerade eine Welle des Protestes über Burda, die Facebook-Gruppe hatte innerhalb weniger Stunden bereits tausende Mitglieder, auch der LSVD, Frauenverbände und weitere Gruppen protestieren. Daneben dabei natürlich auch die Politik, selbst Peter Altmaier, Parlamentarischer Geschäftsführer der Union im Bundestag, sagte via Twitter Unterstützung zu.

Burda reagierte – und antwortete auf den starken Protest aus Gesellschaft und Politik: „Wir finden diesen Austausch gut und wichtig. Es ist klar, dass ein Künstler wie er stark polarisiert. Die Bambi-Verantwortlichen distanzieren sich deutlich von jeder Form der Diskriminierung. Dennoch: Musik ist eine Kunstform, der bewusste Tabubruch ein Stilmittel des Raps – ob es einem gefällt oder nicht.“

Dass Bushido bewusst gegen Schwule, Lesben und Frauen hetzt, macht die Preisverleihung aber nicht verständlicher. Im Gegenteil. Die Kunst ist frei, der Tabubruch manchmal der Beginn von Veränderung. Bushido kann singen, was er will und damit erfolgreich sein, aber ein Tabubruch ist seine Musik nicht – eher ein Zementieren von Vorurteilen. Ihn dafür auszuzeichnen, das bedeutet totale Blindheit vor der Wirkung seiner Texte! Auch er selber scheint blind, und drückte via Twitter sein Unverständnis über die Proteste aus.

Viele Menschen in ganz Deutschland engagieren sich gegen Homophobie, Sexismus und Intoleranz, für eine offene, bunte und vielfältige Gesellschaft, in der der Unterschied eine Bereicherung ist. Durch Texte und Äußerungen, aber vor allem durch öffentliche Anerkennung solcher werden tausende Menschen vor den Kopf gestoßen und Bemühungen konterkariert. Dass dies die Burda-Verantwortliche nicht berücksichtigten ist äußerst unverständlich, nahezu ignorant. Durch die Auszeichnung werden herablassende Äußerungen über Personen und soziale Gruppen, die Beleidigungen nahe kommen salonfähig. Wörter wie „schwule Sau“, „Schwuchtel“ oder „Schlampe“ werden auf den Schulhöfen heimisch und verhindern gegenseitigen Respekt – kann das wirklich im Sinne von Integration sein? Nein, diese Musik spaltet, sie lehrt diejenigen, die Bushidos Musik hören ein falsches Bild, so wie es eben nicht sein sollte. Ich akzeptiere seine Meinung und er kann singen über was er will – aber Auszeichnungen soll er dafür nicht bekommen! Nicht für Integration, die eigentlich Brücken bauen sollte. Über seine Musik kann man sagen was man will, über seine Texte gibt es dagegen nichts auszeichnungswertes zu sagen.

Die Facebookgruppe „Kein Bambi für Bushido“ findet sich hier: www.facebook.com/pages/Kein-Bambi-für-Bushido/

Die Erklärung von Claudia Roth, Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen: www.gruene.de/einzelansicht/artikel/bushido-ist-nicht-preiswuerdig.html

Die Pressemitteilung von Burda Media zur Preisverleihung: www.hubert-burda-media.de/presse/mitteilungen/-deutsch-tunesier-bushido-bekommt-den-bambi-fuer-integration_aid_71582.html

 

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