Teufel nicht im Detail – Mannheims älteste Brücke kann erhalten werden!


Vor noch drei Jahren wurde der Abriss der Teufelsbrücke vom Hafen als alternativlos bezeichnet. Nun hat sich das Blatt vor allem wegen dem Einsatz der Bürgerinitiative „Rettet die Teufelsbrücke“ gewendet: Bei der öffentlichen Vorstellung eines Ingenieurs- Gutachtens kam eine erstaunlich gut erhaltene Brücke ans Tageslicht. Das Fazit: Die Anpassung der Brücke an veränderte Rahmenbedingungen ist mit wenig Geld machbar. Doch bedeutet dies noch lange nicht, dass etwas passiert, denn nun rückt eine andere Brücke ins Rampenlicht.

Jeder der Anwesenden spazierte am gestrigen Abend als kleiner Brückensachverständiger aus den Räumen der Jungbuschhalle Plus X, nachdem Herr Dipl-Ing. Käppelein vom Büro für Baukonstruktionen mit Bildern und Zeichnungen über die Konstruktion, deren Geschichte und Zustand referiert hatte. Für manche der Anwesenden dürften der Abend aber auch das unausgesprochene Eingeständnis gewesen sein, dass vergangene Entscheidungen voreilig und unbedacht waren. Dies dürfte allen voran die Hafen-Verantwortlichen treffen, die 2009 einen Antrag auf Abriss der Teufelsbrücke gestellt haben und wenige Tage später die Bewohnerschaft mit ihren schon fast in Stein gemeißelten Plänen konfrontierten. Die Teufelsbrücke, die sich im Besitz der Hafen-Gesellschaft befindet und damit des Landes Baden-Württemberg, stand den Plänen für eine Erweiterung des Containerterminals im Wege, in dessen Zuge die Mühlau-Hub-Brücke durch einen Damm für schwerere LKWs mit mehr Containern weichen müsste. Damit wäre aber der benötigte Wasserweg zum Kieslager am Verbindungskanal blockiert, sodass eine neue Verbindung geschaffen werden müsste. Die Lösung des Hafens: Abriss des Nadelöhrs Teufelsbrücke, welche seit über 40 Jahren nicht mehr gedreht wurde, womit Schiffe auch größerer Gangart vom Rhein zum Lager schippern könnten.

Auf dem Fuße kam mit der Vorstellung dieser Pläne die Gründung der Bürgerinitiative „Rettet die Teufelsbrücke“, welche für den Erhalt der 1902 erbauten ältesten noch erhaltenen Brücke in Mannheim kämpfte. Ein von ihr angeregtes Gutachten bescheinigte manch überraschendes: Die alte Mechanik (Dreh- und Kipptechnik) sind noch komplett vorhanden, der Zahnkranz zur Drehung in einem „perfekt erhaltenen“ Zustand, ebenso der Königsstuhl, auf dem das gesamte Gewicht der Brücke bei der Drehung liegt. Außer einer gründlichen Reinigung, neuem Korrosionsschutz sei an der Brücke nicht viel zu tun. Durch Wassereintritt seien an manchen Stellen Schäden vorhanden, auch manche Nieten müssen ausgetauscht werden, doch bezeichnete Herr Käpplein vom Ingenieurbüro diese Schäden als marginal. Einer anderen Frage widmete er sich ebenso: Kann die Brücke auf die veränderten Rahmenbedingungen, also einer Ermöglichung der Durchfahrt größerer Schiffe, angepasst werden? Nötig wäre hier ein Ausgleich für die 3,5 Meter mehr Brückenlänge, da die bestehende Konstruktion nicht über den Durst belastet werden könne: Da die Brücke aber nur noch für Fußgänger und Radfahrer offen ist, sei dies durch einen Rückbau der Gehwege und einem leichteren Belag ohne weiteres möglich. Bei den Kosten für die Instandsetzung des Stahlaufbaus inklusive einer Verlängerung sprach Dr. Köppelin von 900 000 Euro, weniger als der Abriss des denkmalgeschützten Bauwerks kosten würde. Auch Dr. Wilhelm vom Denkmalschutz würdigte noch einmal die technikgeschichtliche Bedeutung der Teufelsbrücke und bestätigte, dass eine Fortschreibung des Schutzes auch mit der Verlängerung möglich wäre.

Ist die Teufelsbrücke also nun gerettet? Es spricht viel dafür, aber dies bedeutet noch lange nicht, dass die Brücke wieder instand gesetzte wird oder gar für die Drehbarkeit ertüchtigt wird. Denn das Augenmerk richtet sich nun auf die Mühlau-Hub-Brücke und deren Zukunft: Der Hafen argumentierte bisher, dass dort ein Damm die Backsteinkonstruktion ersetzen soll, damit wäre aber eine Veränderung bei der Teufelsbrücke notwendig. Doch mittlerweile steht auch diese Brücke unter Denkmalschutz (Artikel vom April 2011 im Mannheim Morgen „Hubbrücke als Kulturdenkmal anerkannt„), wodurch das weitere Vorgehen noch im Dunkeln liegt. Ein Verkehrsgutachten soll kommen, was den tatsächlichen Bedarf und die Ansprüche feststellt, doch dies klang gestern noch nach Zukunftsmusik. Sollte sich aber bei der Mühlau-Hub-Brücke eine andere Lösung ergeben als ein Damm, sieht sich der Hafen – so ist den Äußerungen von Hafendirektor Hörner zu urteilen – bei der Teufelsbrücke nicht in der Pflicht, obwohl es sein Eigentum ist.

Das Spiel kann aber nicht lauten: Eine Brücke gegen die Andere.  Ein Zuschauerbeitrag sprach sich deutlich für den Erhalt der Wasserverbindung zwischen Rhein und Neckar über den Hafen auf: Die Stadt werde es in 20 Jahren bereuen, würde dort durch einen Damm das Entwicklungspotential der Zukunft zunichte gemacht. Gerade die Lage der Stadt an zwei Flüssen und vielen Wasserflächen sei einzigartig. Auch wenn gestern ein Etappenziel für die BI erzielt wurde: Es scheint noch ein langer Weg zu sein, bis die Teufelsbrücke als Industriedenkmal wieder erstrahlt. Leider! Mannheim hat nicht mehr viele Denkmäler, da manches in den letzten Jahrzehnten allzu leichtfertig abgerissen wurde. Gleichzeitig investierte die Stadt Millionen in die Neugestaltung der Promenade am Verbindungskanal, förderte die Ansiedlung von Musikpark, Popakademie und des neuen Kreativwirtschaftszentrums. Gerade hier hätte man die Möglichkeit künstlerische Zukunft und industrielle Vergangenheit auf besonders stimmungsvolle Art an einem Ort zu verbinden und den Menschen zugänglich zu machen: Diese Chance muss genutzt werden!

Fortsetzung folgt!

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