Meine Daten gehören mir – aber wie weit komme ich damit?

Lassen wir doch einmal unsere Phantasie eine Zukunft zeichnen. Eine Zukunft die für manche jenseits jeder Vorstellungen liegt, für manche aber vielleicht als erstrebenswert gilt. Heute gibt es QR-Codes: Sie finden sich auf unseren Bahn-Tickets, auf Plakaten und Broschüren. Sie beinhalten Informationen: Webseiten, Texte, Telefonnummern, Orte, Preise. All dies ist nicht ersichtlich: Sie als Leser können nicht sagen, was dieser Code links aussagt bzw. was ihn von einem anderen Code auf einem Produkt unterscheidet. Die Information ist vorhanden, aber wo liegt sie?

Das war bisher Realität. Aber in Zukunft haben wir vielleicht einen Code bereits bei uns, in unserer Hand: Der Fingerabdruck macht uns einzigartig. Wie wäre es, wenn man anstatt eines Codes mit seinem Smartphone einfach den Fingerabdruck scannen könnte und wüsste, wer vorher an dem Tisch saß, wo jetzt noch das alte Glas steht? Wenn man in Shops per Fingerabdruck bezahlen könnte, da gleichzeitig auch noch Kontonummer, Name und Foto hinterlegt sind? Für manche mögen diese Vorstellungen erstrebenswerte Zustände ausmalen, für manche sind sie der Horrer, die meisten – machen wir uns doch nichts vor – haben noch nie daran gedacht, wohin die Enticklung gehen könnte. Das Ende der Geschichte könnte dann erreicht sein, wenn die Offenbarung meiner Daten zur Voraussetzung zur Teilnahme am sozialen Leben wird. Wollen wir das?

An die Abgabe eines Fingerabdrucks für den Reisepass haben wir uns gewöhnt. Auch an das Eingeben von Email-Adresse und Telefonnummer beim Kauf im Internet. Dass wir dort auch via Schufa unser Kreditwürdigkeit scannen lassen ist auch nichts Neues. Was Facebook mit unseren Nutzerdaten macht wollen wir gar nicht erst wissen. Der Weg zum gläsernen Menschen ist nicht mehr weit – und viele gehen ihn bereitwillig mit. Nur welche Daten sind hinreichend, welche notwendig? Und wie werden sie gesichert bzw. wie werden sie verwertet?

Zugegeben: Es geht in der Online-Gesellschaft manchmal nicht ohne Datensammeln. Aber als Verbraucher muss man wissen, was wozu genutzt wird. Und als Anbieter oder Staat muss ich mich ständig fragen: Benötige ich diese Daten wirklich, oder gibt es ein gleich effektives Mittel ohne die Erhebung? Denn dass Daten von Trägern gelesen werden können (siehe neuer Personalausweis), dass Datenbanken gehackt werden können (siehe Sony) oder gar ganz offen im Internet zugänglich sind (siehe Unesco) ist leider hinlänglich in der Realität bewiesen worden. Die Frage ist also nicht nur, ob ich Herr meiner Daten bin, sondern ob noch irgendjemand Herr meiner Daten ist, wenn einmal abgegeben.

Die Sammelwut von vielen Unternehmen, aber auch von staatlicher Seite (siehe den Fingerabdruck-fürs-Planschen-Fall) ist nicht nur eine Gefahr für unsere Daten, sondern auch für unsere Einstellung: Wir gewöhnen uns an das Abgeben beruflicher, privater oder gar intimer Daten ohne zu wissen, ob sie für Einkäufe, Anmeldungen oder Identifikation überhaupt von Nöten sind. Verknüpft und kombiniert ergeben viele einzelne Daten ein gefärhliches Instrument für Betrug – online wie offline. Einen eRadiergummi gibt es genau so wenig, wie Stift und Papier im Netz. Einmal eingegebene Daten bleiben bestenfallsschlechtestenfalls auf immer irgendwo gespeichert. Unternehmen sollten transparent und für jeden ersichtlich erklären können, wozu sie welche Daten brauchen und welche davon dauerhaft gespeichert werden, sollten höhere Anstrengungen in den Schutz von Daten investieren (und beispielsweise fragwürdigen Diensten wie Sofortüberweisung.de nicht eine Plattform zum Geschäftetreiben bieten). Von staatlichen Institutionen muss ein Vorbild ausgehen beim verantwortungsvollen Umgang mit Daten. Modernitätsvernarrte Großprojekte – oft unverhältnismäßig teuer – müssen auch auf Datensicherheit und den Nutzen der Erhebung geprüft werden (von ELENA bis neuer Personalausweis). Gleichzeitig bedarf es „Aufklärungsarbeit“, sodass Datenstripteese nicht zur Selbstverständlichkeit verkommt, und wirksamen Regeln und Sanktionsmöglichkeiten gegenüber jedwedem, der zu lasch mit den Daten Fremder umgeht.

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