BUGA? Kulturhauptstadt? Umwelthauptstadt!

An großen Träumen ist Mannheim momentan nicht arm: Der Titel der Europäischen Kulturhauptstadt soll nach dem Willen der Politik im Jahr 2025 die Stadt schmücken. Dafür leistet man sich seit Jahren ein Büro, welches mit der Vorbereitung und Koordination der Bewerbung betraut ist. Diese Woche dann wurden die ersten konkreten Pläne für die 2023 geplante Bundesgartenschau der Öffentlichkeit vorgestellt: Von einem Teil der verlassenen Militärflächen, über die Feudenheimer Au und den Neckar soll unter dem Motto „Mannheim verbindet“ bis zum Luisenpark, 1975 selbst Kerngelände der damaligen BUGA, das Großereignis stattfinden. So der Plan. Doch darf’s noch ein bisschen mehr sein?

Ich meine Ja: Mannheim sollte sich um den Titel der Europäischen Umwelthauptstadt bewerben! Die Kulturhauptstadt ist ein kulturelles, die BUGA ein landschafts- und städtebauliches Projekt. Beide setzen in Bereichen Akzente, geben Auftrieb, sind aber doch inhaltlich und räumlich begrenzt. Jeder kann sie besuchen, aber die Wirkung spüren nachhaltig nur bestimmte eng umgrenzte Gruppen. Maßnahmen für weniger Verkehr, besseren ÖPNV, weniger Lärm kören dagegen allen zu Gute, nicht zuletzt den beiden geplanten Großevents. Eine Kandidatur als Umwelthauptstadt kann den Rahmen schaffen, Kulturhauptstadt und BUGA mit einer ökologischen Komponente zu verknüpfen. Daraus  ergibt sich das Potential eine langfristige Breitenwirkung für alle Bewohnerinnen und Bewohner, aber auch Touristen und Gäste zu erzeugen: Neue Grünflächen, neue Ideen bei der Nutzung der Verkehrsträger, Impulse bei  der energetischen Erneuerung mit der Stadt als Vorbild, eine bessere Nutzung von Flächen am Wasser, Verminderung von Verkehr, Lärm und Abgasbelastung etc. Die momentanen und zukünftigen Titelträger beweisen, was geht: In Vitoria-Gasteiz, Umwelthauptstadt in diesem Jahr, leben alle Einwohner höchstens 300 m von einer öffentlichen Grünfläche entfernt, ein Grüngürtel umschlingt die Innenstadt. In Nantes, welches nächstes Jahr den Titel übernehmen wird, werden 80 % der Busse mit Erdgas betrieben. Die Nutzung des ÖPNV in der 280 000-Einwohnerstadt stieg im Zeitraum von 2005 auf 2011  von 99,8 Millionen auf 116,5 Millionen beförderten Gästen.

Bei der Bewerbung als „European Green Capital“, eine Initiative der Europäischen Kommission, sind insbesondere sechs Punkte ausschlaggebend für den Erfolg:

  • Kooperation und Partnerschaften zwischen Behörden, Bürgern, Unternehmen und anderen Beteiligten zur Entwicklung und Verbesserung der städtischen Lebensbedingungen
  • Umsetzung nachhaltiger Mobilitätslösungen
  • Einrichtung und Erweiterung von Parks und Erholungsgebieten
  • moderne Konzepte zur Abfallbewirtschaftung
  • innovative Lösungen bei der Lärmbekämpfung
  • einen integrierten Ansatz bei der Stadtentwicklung zur Gewährleistung eines langfristigen Nutzens

Viele dieser Punkte müssen ohnehin bei Großereignissen wie BUGA und Kulturhauptstadt mitgedacht werden, wenn man an den Transport oder die Parks und Grünflächen in der Stadt denkt. Warum also nicht den Schritt wagen und beide Großprojekte unter dem Claim Umwelthauptstadt verbinden und einen Prozess zu initiieren, der darauf zielt Mannheim  zum Vorbild bei der Verwirklichung umweltfreundlicher und nachhaltiger Ideen in Europa zu machen?

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