Citymaut: Zielorientierte Diskussion statt kurzsichtige Ausschließeritis

Zur Diskussion um die Citymaut u.a. in Mannheim, von welcher am 03. (Artikel „Stadtverwaltung will keine Maut für Autos“ und Kommentar „Zurück in die grüne Kiste„) und 04. April (Artikel „CDU und FDP lehnen Maut ab„) im Mannheimer Morgen berichtet wurde habe ich einen Leserbrief verfasst:

Die Citymaut schnell wieder in die „grüne Ideologiekiste“, so kommentierte der Mannheimer Morgen den Vorschlag von Verkehrsminister Hermann. Auch CDU und FDP waren schnell damit, dieser Idee ein Stoppschild vorzustellen. Mit schwachen Argumenten kommen diese, um zu demonstrieren: Mannheim macht doch genug für weniger Verkehr in den Quadraten.

Doch wo ist die vom Verkehr beruhigte, lebenswerte und sichere Innenstadt? Zugeparkte Bürgersteige und Fahrradwege, schlechte Luft, Staus und Stop&Go am Ring und in vielen Straßen der Innenstadt – das ist tagtägliche Realität, die für Touristen, Kunden und Einwohner gleichermaßen ärgerlich ist, denn sie vermindert die Attraktivität der Quadrate.  Vielleicht sind 51 000 Autos, die nachmittags (!) durch die Innenstadt fahren weniger als 20 Jahre zuvor. Jedoch fragt niemand, ob diese Autos notwendigerweise durch die Straßen kurven: Für zwei Brot auf dem Markt, drei Taschen neuer Klamotten oder den Kauf einer Waschmaschine, die heutzutage sowieso bequem nach Hause geliefert wird braucht niemand mit dem Auto bis vor die Tür des Ladens, wenn dies auch mit Bus und Bahn funktioniert.

Intelligente, kostengünstige und verzahnte Lösungen, beispielsweise Park&Ride mit kostenloser Nutzung des ÖPNV, den Fahrschein oder das Ticket vom Parkplatz am Maimarkt als Gutschein im Einzelhandel oder eine Verlagerung von Parkraum raus aus den Quadraten müssen endlich in eine große Diskussion um die Frage einfließen: Welchen Verkehr wollen wir in den Quadraten, und wie erreichen wir ihn? Dazu muss zunächst ermittelt werden, wer von wo durch die Quadrate fährt und warum. Dies wäre der erste Schritt zu einem Gesamtkonzept, was die Stadt momentan vermissen lässt. In der Diskussion darf auch eine Abgabe egal in welcher Ausführung nicht einfach vom Tisch gewischt werden. Nicht diejenigen, die Instrumente ansprechen, ermöglichen und andiskutieren sind ideologisch, sondern diejenigen, die aus Klientelinteressen und Kurzsichtigkeit eine umfassende, an effektiven Lösungen interessierten Diskussion abwürgen.

Nachtrag: Der Leserbrief wurde im Mannheimer Morgen unter der Überschrift „Intelligente Lösungen“ am Donnerstag, den 12. April veröffentlich. Eine Online-Variante findet sich hier.

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